PostgreSQL vs. MySQL: Welche Datenbank passt zu deinem Projekt?
PostgreSQL oder MySQL? Unterschiede bei Funktionen, Performance und Betrieb, dazu MariaDB im Vergleich und klare Empfehlungen für VPS und Gameserver.
PostgreSQL oder MySQL? Unterschiede bei Funktionen, Performance und Betrieb, dazu MariaDB im Vergleich und klare Empfehlungen für VPS und Gameserver.
PostgreSQL und MySQL sind die beiden verbreitetsten Open-Source-Datenbanken. Die kurze Antwort lautet: MySQL ist die naheliegende Wahl für klassische Webanwendungen, CMS und Gameserver-Frameworks mit vielen einfachen Lesezugriffen. PostgreSQL spielt seine Stärken aus, wenn deine Anwendung komplexe Abfragen, viele gleichzeitige Schreibvorgänge, strenge Datenintegrität oder spezielle Datentypen braucht. Welche Datenbank “besser” ist, hängt also nicht vom System ab, sondern von deiner Arbeitslast, deiner Software und davon, wer den Server später betreut. In diesem Vergleich bekommst du die Unterschiede, die im Alltag wirklich zählen, eine Einordnung von MariaDB und konkrete Empfehlungen für VPS-, Web- und Gameserver-Projekte.
Bevor es um Unterschiede geht: PostgreSQL und MySQL sind sich ähnlicher, als viele Vergleiche vermuten lassen. Beide sind relationale Datenbanksysteme. Sie speichern Daten in Tabellen mit Zeilen und Spalten, du fragst sie mit SQL ab und verknüpfst Tabellen über gemeinsame Schlüssel per JOIN.
Auch im Alltag ähneln sich die Systeme stark:
Für ein Forum, einen Shop mit überschaubarem Sortiment oder die Spielerdatenbank eines Gameservers funktionieren deshalb grundsätzlich beide. Die Unterschiede werden erst wichtig, wenn dein Projekt wächst oder besondere Anforderungen hat.
Die folgende Tabelle fasst zusammen, worin sich die Systeme im Betrieb unterscheiden. Sie ersetzt keinen eigenen Test mit deiner Anwendung, hilft aber bei der ersten Einordnung.
| Kriterium | MySQL | PostgreSQL |
|---|---|---|
| Datenbankmodell | Relational (RDBMS) | Objektrelational (ORDBMS) |
| Stärke bei der Performance | Einfache Lesezugriffe, schnelle Lookups über den Primärschlüssel | Komplexe Abfragen, viele parallele Schreibvorgänge, Analysen |
| Datentypen | Standardtypen, JSON | Zusätzlich JSONB, Arrays, XML, benutzerdefinierte Typen |
| Erweiterbarkeit | Über Speicher-Engines und Plugins | Umfangreiches Erweiterungssystem, eigene Funktionen und Typen |
| Indexarten | Vor allem B-Tree, dazu Volltext und räumliche Indizes | Mehrere Indextypen, darunter B-Tree, Hash, GIN, GiST und BRIN |
| Replikation | Etablierte Quell-Replikat-Replikation | Streaming-Replikation und logische Replikation |
| Einstieg | Sehr einfach, große Verbreitung in Webhosting und CMS | Etwas steilere Lernkurve, dafür sehr konsistentes Verhalten |
| Typische Einsätze | CMS, Webshops, Gameserver-Frameworks, leseintensive Webseiten | SaaS-Anwendungen, Geodaten, Analytik, komplexe Geschäftslogik |
PostgreSQL versteht sich als objektrelationales System. Das bedeutet: Neben klassischen Tabellen kannst du benutzerdefinierte Datentypen, Vererbung und Funktionsüberladung nutzen. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass du eine Spalte als Array speichern, eigene Typen für Koordinaten definieren oder mit materialisierten Ansichten aufwendige Auswertungen vorberechnen kannst.
Besonders relevant für moderne Anwendungen ist JSONB. Während beide Systeme JSON speichern können, legt PostgreSQL JSONB in einem binären Format ab und kann es indexieren. Wenn du flexible Daten speicherst, etwa Inventare, Fahrzeug-Tuning oder Konfigurationen, die sich je nach Spieler unterscheiden, kannst du diese Felder gezielt durchsuchen, ohne für jede Eigenschaft eine eigene Spalte anzulegen.
MySQL hält das Modell bewusst schlanker. Für die meisten Webanwendungen reicht das vollkommen aus, und gerade diese Einfachheit macht MySQL für Einsteiger zugänglich.
Pauschal ist keines der beiden Systeme schneller. Die Fachpresse ordnet es so ein: PostgreSQL überzeugt bei komplexen Abfragen durch Query-Optimierung und Indexierungstechniken, während MySQL bei einfachen Zugriffen mit wenig Overhead schnell bleibt.
Was das konkret bedeutet:
Wichtig: Benchmarks aus Blogartikeln messen fast immer synthetische Szenarien. Deine Indizes, deine Abfragen und die Hardware haben meist mehr Einfluss auf die Geschwindigkeit als die Wahl zwischen den beiden Systemen. Ein fehlender Index macht jede Datenbank langsam.
Hier liegt der größte Vorsprung von PostgreSQL. Über Erweiterungen holst du dir zusätzliche Fähigkeiten direkt in die Datenbank, zum Beispiel PostGIS für Geodaten, pg_trgm für unscharfe Textsuche oder Erweiterungen für Zeitreihen. Dazu kommen Funktionen wie partielle Indizes, Ausdrucksindizes und mächtige gespeicherte Prozeduren.
MySQL deckt die gängigen Anforderungen von Webanwendungen solide ab, bietet aber weniger Spielraum, wenn du Logik und Spezialfunktionen in die Datenbank verlagern willst.
PostgreSQL unterstützt laut offizieller Feature-Matrix des PostgreSQL-Projekts sowohl Streaming-Replikation als auch logische Replikation. Mit Streaming-Replikation spiegelst du die gesamte Instanz auf einen Standby-Server, mit logischer Replikation überträgst du gezielt einzelne Tabellen, etwa für ein Upgrade ohne lange Ausfallzeit.
MySQL bringt ebenfalls bewährte Replikationsmechanismen mit, die seit vielen Jahren in großen Webumgebungen laufen. Für die meisten kleineren Projekte auf einem VPS ist Replikation ohnehin zweitrangig: Dort sind tägliche, getestete Backups wichtiger als ein zweiter Datenbankserver.
Die unterschiedliche Philosophie der Projekte erklärt viele Detailunterschiede. Schon 2009 beschrieb die PostgreSQL-Community den Unterschied im PostgreSQL-Wiki als Frage der Prioritäten: vorhersehbares Verhalten, Datenintegrität und Standardkonformität auf der einen Seite, Einfachheit und schnelle Standard-Webabfragen auf der anderen. Der Text ist alt, und MySQL hat seitdem deutlich aufgeholt. Die Grundhaltung spürst du aber bis heute: PostgreSQL lehnt fehlerhafte Daten eher konsequent ab, MySQL war historisch nachsichtiger und hat strengere Standards erst nach und nach zum Default gemacht.
MariaDB ist als Abspaltung von MySQL entstanden und wird bis heute in vielen Linux-Distributionen und Hosting-Umgebungen anstelle von MySQL ausgeliefert. Das Digital Magazin stellt alle drei Systeme gegenüber und ordnet MariaDB klar in die MySQL-Familie ein.
Für dich als Serverbetreiber ist vor allem wichtig:
Unsere Empfehlung: Prüfe zuerst, welche Datenbank und welche Mindestversion deine Software offiziell unterstützt. Steht dort “MySQL oder MariaDB”, kannst du frei wählen. Bevor du ein bestehendes System umstellst, spielst du ein aktuelles Backup auf einer Testinstanz ein und lässt deine Anwendung dort einige Tage laufen.
Die allgemeine Faustregel lautet: PostgreSQL für komplexe Anwendungen und Analytik, MySQL für einfache Webanwendungen und leseintensive Workloads. Für die Projekte, die du typischerweise auf einem eigenen Server betreibst, sieht das so aus:
Gängige FiveM-Frameworks wie ESX oder QBCore arbeiten mit einer MySQL-kompatiblen Datenbank, die Anbindung läuft über Ressourcen wie oxmysql. Auch viele Garry’s-Mod-Addons und Minecraft-Plugins, etwa für Ränge, Economy oder Bans, sind auf MySQL ausgelegt. Hier ist die Entscheidung einfach: Du nutzt MySQL oder MariaDB, weil Scripts und Dokumentation genau damit rechnen.
Performance gewinnst du auf Gameservern vor allem durch:
innodb_buffer_pool_size), damit häufig genutzte Daten im RAM liegen.Wie du einen Server in der Praxis aufsetzt, zeigen unsere Anleitungen zum Minecraft-Server einrichten und zum Garry’s-Mod-Server einrichten.
WordPress und viele verbreitete CMS und Shopsysteme setzen auf MySQL bzw. MariaDB. Eine Umstellung auf PostgreSQL ist hier weder vorgesehen noch sinnvoll. Du konzentrierst dich besser auf Caching, aktuelle PHP-Versionen und eine gut konfigurierte Datenbank.
Entwickelst du selbst, etwa ein Backend für eine Community-Plattform, ein Ticketsystem oder eine API mit vielen Auswertungen, ist PostgreSQL meist die bessere Ausgangsbasis. Du profitierst von JSONB, strengen Constraints, Fensterfunktionen und Erweiterungen. Moderne Frameworks und ORMs unterstützen PostgreSQL ohne Einschränkungen.
Für Dashboards, Spielerstatistiken über Monate hinweg oder standortbezogene Daten führt kaum ein Weg an PostgreSQL vorbei. Die c’t erinnert allerdings zu Recht daran, dass relationale Datenbanken für viele Anwendungen solide sind und sich Spezialaufgaben bei Bedarf in eigene Systeme auslagern lassen. Du musst also nicht alles in eine einzige Datenbank pressen.
Auf einem Linux-VPS installierst du beide Systeme in wenigen Minuten über die Paketverwaltung deiner Distribution. Unterschiede zeigen sich danach im Alltag.
MySQL und MariaDB sind für viele der einfachere Einstieg. Das Rechtesystem mit Benutzern und Hosts ist schnell verstanden, Tools wie phpMyAdmin sind in Gaming- und Webcommunities weit verbreitet, und für fast jedes Problem findest du eine Anleitung.
PostgreSQL arbeitet mit Rollen, Schemas und einer eigenen Authentifizierungskonfiguration (pg_hba.conf). Das wirkt anfangs ungewohnt, ist aber sehr klar strukturiert. Mit psql und grafischen Tools wie pgAdmin oder DBeaver verwaltest du die Datenbank komfortabel.
Für beide gilt im Betrieb:
mysqldump bzw. pg_dump per Cronjob, die Dateien zusätzlich außerhalb des Servers speichern und die Wiederherstellung regelmäßig testen.innodb_buffer_pool_size der wichtigste Wert, bei PostgreSQL shared_buffers zusammen mit work_mem. Läuft auf demselben VPS noch ein Gameserver, plane den Speicher für beide ein.Eine Migration zwischen MySQL und PostgreSQL ist möglich, aber mehr als ein Export und Import. Datentypen, Auto-Increment-Spalten, Funktionen und SQL-Details unterscheiden sich. Werkzeuge wie pgloader übernehmen einen großen Teil der Arbeit, deine Anwendung musst du trotzdem gründlich testen. Für bestehende Gameserver-Setups lohnt sich ein Wechsel praktisch nie.
Wir sehen bei Gameserver-Communities, Entwicklern und Agenturen immer wieder dasselbe Muster: Die Frage “PostgreSQL oder MySQL?” wird oft lange diskutiert, während die eigentlichen Engpässe woanders liegen. Ein RP-Server ruckelt selten, weil die falsche Datenbank läuft, sondern weil ein Script bei jedem Tick ungefilterte Abfragen ohne Index absetzt oder die Datenbank auf zu knappem Arbeitsspeicher arbeitet.
Unsere Empfehlung ist deshalb pragmatisch. Für FiveM, Garry’s Mod, Minecraft-Plugins und WordPress bleibst du bei MySQL oder MariaDB, weil das gesamte Ökosystem darauf aufbaut. Für eigene Anwendungen mit anspruchsvollem Datenmodell greifst du zu PostgreSQL. In beiden Fällen gehört die Datenbank auf schnellen NVMe-Speicher, sie wird regelmäßig gesichert und ist nicht offen im Internet erreichbar. Wenn du dabei unsicher bist, frag lieber einmal mehr nach, als später ein Backup zu vermissen.
— Erik
Auf einem eigenen Server entscheidest du selbst, welche Datenbank in welcher Version läuft, und kannst sie exakt auf deine Anwendung abstimmen. Unsere VPS-Server laufen im deutschen Rechenzentrum mit NVMe-SSD und inklusivem DDoS-Schutz. Die Tarife reichen von VPS Einfach für 6,49 € über VPS Standard für 10,90 € und VPS Pro für 19,90 € bis VPS Ultra für 30,90 € im Monat. Wächst dein Projekt über einen VPS hinaus, bekommst du dedizierte Leistung mit einem Dedicated Server mit NVMe-SSD. Für Communities, die ihren Gameserver direkt mit vorkonfigurierter Umgebung starten wollen, findest du alle Spiele in unserer Gameserver-Übersicht.
Der Einstieg in MySQL ist etwas leichter, weil Rechteverwaltung und Tools wie phpMyAdmin sehr verbreitet sind. Die SQL-Grundlagen sind bei beiden nahezu gleich. Wer SELECT, JOIN und Indizes verstanden hat, findet sich in PostgreSQL nach kurzer Eingewöhnung zurecht.
Für FiveM nutzt du MySQL oder MariaDB, weil gängige Frameworks und Ressourcen wie oxmysql darauf ausgelegt sind. PostgreSQL wird von diesen Scripts in der Regel nicht unterstützt. Achte stattdessen auf Indizes, genug RAM und schnellen NVMe-Speicher.
In vielen Fällen ja, vor allem bei Webanwendungen und Gameserver-Scripts, die nur Standard-SQL nutzen. Bei neueren Versionen und Spezialfunktionen gibt es aber Unterschiede. Teste den Wechsel deshalb immer zuerst mit einem Backup auf einer separaten Instanz.
Ja, beide laufen problemlos parallel auf einem VPS oder Dedicated Server, da sie unterschiedliche Ports nutzen. Du musst nur den Arbeitsspeicher sinnvoll zwischen beiden aufteilen. Das ist praktisch, wenn du etwa einen Gameserver mit MySQL und eine eigene Web-App mit PostgreSQL betreibst.